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Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die kurze Antwort

Wenn du von deinem Einkommen lebst: ja. Die Frage ist nicht ob, sondern wie viel — und ab wann du sie wieder loswirst.

Deine Zahlen sind andere? Schick mir deine Frage — ich rechne sie durch.

Rechnung

Was zahlt die BU im Ernstfall?

BU-Rente monatlich
2.000 €
Beitrag monatlich
94 €
Berufsunfähig mit
40
Rente läuft bis
67

648.000 €

Leistung der BU

Kipppunkt

Eine BU sichert deine Arbeitskraft ab. Sobald Dividenden, Mieteinnahmen oder Zinserträge aus deinem Vermögen deinen Lebensstandard decken, brauchst du sie nicht mehr — dann kündige sie. Eine Versicherung für etwas zu zahlen, das du nicht mehr brauchst, ist verbrannt.

Vier Dinge entscheiden, nicht der Beitrag

Wer BU-Angebote über den Monatsbeitrag vergleicht, vergleicht das Einzige, was im Leistungsfall keine Rolle spielt. Ich prüfe vier Dimensionen, und jede kann die Rangfolge der vorherigen umkehren.

Welche davon für dich schwerer wiegt, entscheidest du — nicht ich. Das ist die erste Frage, die ich im Gespräch stelle.

01 — Preis

Der Verlauf, nicht der Einstieg

Starter- und Stufentarife senken den Beitrag in den ersten Jahren und heben ihn danach über das Niveau eines normalen Tarifs. Das ist ein Liquiditätsvorteil, kein Kostenvorteil — über die volle Laufzeit kann derselbe Tarif teurer sein.

Break-even

Ab wann zahlst du beim Starter-Tarif drauf?

Ersparnis in den ersten 3 Jahren
470 €
Mehrzahlung danach
2,20 € im Monat
Laufzeit gesamt
40 Jahre

Jahr 9

ab hier zahlst du drauf

Neun Jahre Vorteil, danach rund dreißig Jahre Mehrzahlung. Trotzdem kann der Tarif richtig sein: Wenn du dadurch im Studium abschließt statt fünf Jahre zu warten, sicherst du dir dein aktuelles Gesundheitsbild. Das ist meist mehr wert als die Differenz.

Die ehrliche Formulierung lautet deshalb nicht "du sparst", sondern "du zahlst später mehr, dafür bekommst du den Schutz jetzt zu einem Preis, den du dir jetzt leisten kannst". Diese Version hält auch stand, wenn du in Jahr elf nachrechnest.

Deshalb steht hier kein Beispielbeitrag als Versprechen. Was du zahlst, hängt an Beruf, Alter, Gesundheit und gewählter Rente — die Spanne zwischen zwei Menschen mit demselben Job ist größer als die zwischen zwei Anbietern.

02 — Tarif

Die Klauseln, nicht die Gesamtnote

Eine Ratingnote verdichtet hunderte Einzelkriterien zu einer Zahl und verdeckt dabei genau die Unterschiede, die im Leistungsfall zählen. Die Note sortiert vor. Entschieden wird auf Klauselebene.

Günstigerprüfung bei Berufsaufnahme
Wirst du nach dem Abschluss automatisch in die günstigere Berufsgruppe eingestuft oder ist das an eine erneute Gesundheitsprüfung geknüpft? Im zweiten Fall kann eine zwischenzeitliche Diagnose die Höherstufung verhindern. Für Studierende der wichtigste Punkt überhaupt.
Nachversicherungsgarantien
Ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen zu können, ist bei früh abgeschlossenen Verträgen der zentrale Werthebel.
Befristetes Anerkenntnis
Verzichtet der Versicherer vollständig darauf oder nur "grundsätzlich"? Ein befristetes Anerkenntnis bedeutet erneute Prüfung nach Ablauf.
Abstrakte Verweisung und Lebensstellung
Wie viel Einkommensminderung gilt als zumutbar, und wird auf dein letztes Bruttoeinkommen abgestellt oder auf einen Mehrjahresdurchschnitt?
Anzeigepflichtverletzung
Verzichtet der Versicherer auf Kündigung und Vertragsanpassung, wenn du eine Angabe schuldlos falsch gemacht hast? Das ist der häufigste Streitpunkt in der Leistungsprüfung.
Anpassung an die Regelaltersgrenze
Verschiebt sich die gesetzliche Altersgrenze, lässt sich die Leistungsdauer ohne erneute Risikoprüfung nachziehen — marktüblich bis zu fünf Jahre.

Ratings gelten außerdem immer für ein bestimmtes Berufsprofil. Ein anderer Beruf kann die Rangfolge verschieben. Die Note ist keine Eigenschaft des Tarifs, sondern des Paars aus Tarif und Profil.

03 — Versicherer

Wer trägt das Risiko

Manche Angebote laufen nicht über einen einzelnen Versicherer, sondern über ein Konsortium mehrerer Träger — die Police selbst läuft dann bei einem der Partner. Das ist kein Nachteil, aber du solltest wissen, wer im Ernstfall zahlt.

Größe und Bekanntheit wirken auf zwei Ebenen, die man trennen sollte. Fachlich sagt Marktanteil wenig aus — dafür sind Solvenzquote, Bestandsstabilität und Finanzstärke aussagekräftiger, und ein kleiner Versicherer kann hier exzellent sein. Vertrieblich ist Bekanntheit trotzdem ein echter Faktor: Ein Name, den du kennst, senkt die Hürde und schafft Vertrauen. Das ist kein irrationaler Reflex, sondern eine Reduktion von Unsicherheit.

Beide Ebenen zählen. Welche für dich schwerer wiegt, ist deine Entscheidung.

04 — Leistungsbereitschaft

Zahlt der Versicherer im Ernstfall

Die besten Bedingungen nützen nichts, wenn im Leistungsfall gestritten wird. Öffentliche Leistungsquoten sind das gängige Instrument dafür — mit erheblichen Vorbehalten, weil sie unterschiedlich erhoben werden und nicht direkt vergleichbar sind.

Was du vor einem Antrag tun solltest

Ärzte tragen regelmäßig Diagnosen in Akten ein, die so nie gestellt wurden oder längst erledigt sind. Ein Verdacht, der sich nicht bestätigt hat, steht trotzdem drin — und taucht bei der Gesundheitsprüfung wieder auf.

Deshalb: Fordere deine Patientenquittung bei deiner Krankenkasse an, bevor du irgendwo einen Antrag stellst. Sie ist kostenlos und zeigt, was über die letzten Jahre abgerechnet wurde. Falsches lässt sich klären — vorher deutlich einfacher als hinterher.

Das gilt unabhängig davon, ob du bei mir abschließt oder woanders.

Die zweite Frage — Überschüsse anlegen oder nicht?

Manche Verträge zahlst du nicht zum vollen Beitrag, sondern zu einem niedrigeren Zahlbeitrag — die Differenz sind Überschüsse, die der Versicherer nicht braucht. Bei manchen Tarifen kannst du stattdessen den vollen Beitrag zahlen und diese Differenz in ETFs anlegen lassen. Kommt es nie zum Leistungsfall, wird das Kapital am Ende ausgezahlt, nach aktuellem Stand steuerfrei.

Ein Angebot, das ich mir für mich selbst habe rechnen lassen: voller Beitrag 122 €, Zahlbeitrag 94 €. Die Differenz von 28 € im Monat wandert in Fonds, 39 Jahre lang.

Rechnung

Lohnt sich der Überschussanteil in der Police — oder im eigenen Depot?

Überschussanteil monatlich
28 €
Laufzeit
39 Jahre
Rendite vor Kosten
7,5 %
Kosten Police / eigenes Depot
1,1 % / 0,4 %

55.600 €

Police steuerfrei

53.000 €

Depot nach Steuern

Kipppunkt

Der Überschussanteil entscheidet nicht, welche BU du nimmst. Zuerst zählt, ob der Vertrag im Leistungsfall zahlt. Erst wenn zwei Anbieter dabei gleichwertig sind, wird der Überschuss zum Argument — und dann entscheidet die Zeit. Mit 30 und 35 Jahren Laufzeit hat der Zinseszins genug Raum, da liegt die Investmentvariante vorn. Mit 50 bleibt zu wenig Zeit, da würde ich zur klassischen Variante raten.

Warum das Ergebnis so eng ist

Im eigenen Depot hast du niedrigere Kosten — über 39 Jahre macht das rund 10.800 € aus. In der Police hast du dafür den Steuervorteil, der etwa genauso viel wert ist. Beides hebt sich fast exakt auf.

Was den Ausschlag gibt, sind drei Dinge, die in keiner Modellrechnung stehen. Erstens dein Sparerpauschbetrag: Ist er noch frei, gewinnt das Depot deutlich. Zweitens Disziplin — in der Police läuft es automatisch, im Depot musst du es selbst einrichten und 39 Jahre lang nicht anfassen. Drittens Flexibilität: Ans Depot kommst du jederzeit heran, an die Police nicht.

Was in keiner Modellrechnung steht

Überschüsse sind nicht garantiert. Sie werden jährlich neu festgelegt, und ein Versicherer, der keine erwirtschaftet, zahlt keine — dann landet auch nichts im Fonds. Im Extremfall lässt § 163 VVG sogar eine Anpassung der Bruttobeiträge zu, wenn ein unabhängiger Treuhänder zustimmt.

Ein hoch ausgewiesener Überschussanteil ist deshalb kein Qualitätsmerkmal. Er ist eine Prognose, mit der geworben wird.

Nächster Schritt

Schick mir deinen Fall

Ob und wie viel BU du brauchst, entscheidet deine Absicherungslücke — nicht ein Reel und nicht diese Seite. Beschreib mir in drei Sätzen, welche Entscheidung bei dir ansteht. Ich rechne sie als Beispielszenario durch und schicke dir das Ergebnis als kurzes Video zurück.

Schick mir deinen Fall

Weitere Fragen, die ich durchgerechnet habe

Alle Zahlen auf dieser Seite sind Beispielszenarien mit offengelegten Annahmen. Sie sind keine individuelle Anlageberatung und keine Empfehlung für deine Situation. Die Steuerfreiheit der Überschussauszahlung hängt von der Vertragsgestaltung ab und ist im Einzelfall zu prüfen.